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Sec's Notizen Gefundenes und Gedachtes

Samstag, 5. September 2009

Coming out

Alle möglichen Menschen "outen" sich heutzutage. Ob es nun der allseits bekannte Politiker, mit seinem trotzigen "und das ist gut so!" ist, der sich als Anhänger der gleichgeschlechtlichen Beziehungen zu erkennen gibt oder, zum Beispiel, ein Unternehmenscoach, der sich auf seiner Website klar zum christlichen Glauben bekennt. Immer mehr Menschen haben den Drang, etwas über sich, ihr Leben, ihre Anschauungen oder Vorlieben öffentlich zu machen. Manch einer wird das tun, um sich durch diese Transparenz dem Vorwurf  unanständiger Heimlichkeit zu entziehen. Manch einer outet sich vielleicht, um auf diesem Wege Zustimmung Gleichgesinnter zu erfahren und bei vielen steht wohl auch das unbewusste Verlangen dahinter, auf diese Weise Absolution zu erhalten. Bei dem erwähnten Unternehmenscoach ist es wohl mehr ein Bekenntnis zu zentralen Werten, die für sein Leben Gültigkeit haben. Mein "Coming out" ist einfach als eine klare Standortansage zu verstehen.

Der Wahl-O-Mat ist seit gestern online! Die Möglichkeit, seine eigenen Anschauungen und Überzeugungen mit den Ansagen der verschiedenen, zur Wahl stehenden Parteien zu vergleichen, ohne dabei viel lesen und grübeln zu müssen, die habe ich natürlich gleich gerne genutzt. Hier also mein "outing":

Dass Herr Westerwelle mit seinem Verein nicht an vorderster Stelle  erscheint, das beruhigt mich und erstaunt mich keineswegs. "Die Linke" auf Platz 1 der Rangliste, wenn es um zentrale Aussagen zu sozialen Fragen geht, dass freut mich nicht unbedingt, ist aber wohl unabänderlich. Ich kann ja in meinen Antworten das Wünschenswerte präferieren, während Parteien auch immer das Machbare im Blick halten sollten. Mit Vereinigungen wie der Partei Bibeltreuer Christen, Die Violetten oder den Piraten, habe ich eigentlich nichts am Hut, aber sei's drum. In manchen Aussagen und Standpunkten treffen wir uns wohl - warum auch nicht?
Was klar aus dieser Auflistung hervorgeht, das ist eine gewisse "Linkslastigkeit", wegen derer ich schon mitunter verwundertes Kopfschüttlen lieber Mitchristen geerntet habe. Zu diesem Thema hat, vor vielen Jahren einmal, ein lieber Cousin ein "Rede zur Förderung der Frömmigkeit" gehalten. Eine seiner Aussagen (die Cassettenaufnahme habe ich heute noch), ist mir sehr gut in Erinnerung geblieben: "Christen haben nicht nur eine Partei, und schon gar nicht nur eine bestimmte Partei." Seine sehr interessante Predigt zu dem Thema "Der Obrigkeit untertan sein" hatte, über die Jahre, einen großen Einfluss auf die Entwicklung meiner politischen Überzeugungen. Was mich aber weit mehr noch geprägt und beeinflusst hat, das ist der Satz Adolf Grimmes: "Ein Sozialist kann auch Christ sein, ein Christ muss immer auch Sozialist sein." Für mich immer die Mahnung, neben dem Seelenheil nicht die Suppe zu vergessen, die den Magen wärmend füllen sollte, damit die Heilsbotschaft an die Seele nicht vom Magenknurren übertönt werden kann.

Natürlich ist das alles viel differenzierter zu sehen, und mit Suppe allein ist es nicht getan. Das weiß ich, und diese Vereinfachung dient auch nur der Veranschaulichung. Es geht mir auch nicht um die großen, inhaltsschweren politischen Diskussionen, sondern nur um eine Standortansage. Wenn ihr mich sucht, ihr findet mich in der "linken Ecke".

Technorati-Tags: outing,Bundestagswahl

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